}
Öffnungszeiten
Mo – Fr 07:00 Uhr bis 18:00 Uhr

}
Öffnungszeiten
Mo – Fr 07:00 Uhr bis 18:00 Uhr

Können Kinder in bilingualen Kitas Lese-Rechtschreib-Schwächen entwickeln?

Kristina Harzenetter ·
Kinder verschiedener Ethnien lesen gemeinsam ein Bilderbuch auf einem bunten Klassenzimmer-Teppich, begleitet von einer mehrsprachigen Lehrkraft.

Nein, eine bilinguale Kita erhöht das Risiko für eine Lese-Rechtschreib-Schwäche nicht. Aktuelle Erkenntnisse aus der Spracherwerbsforschung zeigen klar, dass Zweisprachigkeit weder Legasthenie verursacht noch bestehende Schwächen verstärkt. Wer sein Kind in einer bilingualen Einrichtung betreuen lässt, muss sich also keine Sorgen machen, dass die zweite Sprache die Schriftsprachentwicklung gefährdet. Die folgenden Fragen beleuchten, was hinter diesem Mythos steckt und worauf Eltern wirklich achten sollten.

Erhöht zweisprachige Erziehung das Risiko für Legasthenie?

Zweisprachige Erziehung erhöht das Risiko für Legasthenie nicht. Legasthenie ist eine neurobiologisch bedingte Verarbeitungsschwäche, die unabhängig davon auftritt, wie viele Sprachen ein Kind lernt. Die Anzahl der Sprachen im Alltag eines Kindes hat keinen ursächlichen Einfluss auf diese Veranlagung.

Der Mythos entstand vermutlich, weil zweisprachige Kinder in der frühen Sprachentwicklung manchmal langsamer erscheinen oder Wörter aus beiden Sprachen mischen. Dieses sogenannte Code-Switching ist jedoch ein völlig normaler und sogar positiver Teil des bilingualen Spracherwerbs, kein Warnsignal. Kinder, die mit zwei Sprachen aufwachsen, entwickeln ein differenziertes Sprachbewusstsein, das ihnen langfristig beim Lesen und Schreiben zugutekommen kann.

Wichtig ist: Wenn ein Kind eine Lese-Rechtschreib-Schwäche entwickelt, würde es diese auch einsprachig entwickeln. Zweisprachigkeit macht Legasthenie weder wahrscheinlicher noch schwerwiegender. Was die Diagnose manchmal erschwert, ist lediglich die Abgrenzung zwischen sprachbedingten Entwicklungsunterschieden und einer echten Verarbeitungsschwäche. Das ist jedoch eine diagnostische Herausforderung, kein Risiko der Zweisprachigkeit selbst.

Wie verläuft die Sprachentwicklung in bilingualen Kitas?

In bilingualen Kitas verläuft die Sprachentwicklung nach dem Immersionsprinzip: Kinder hören und sprechen die zweite Sprache im natürlichen Alltag, ohne formalen Unterricht. Muttersprachliche Fachkräfte kommunizieren konsequent in der Zielsprache, während das Kind beide Sprachen im Kontext erlebt und verinnerlicht.

Dieser Ansatz orientiert sich daran, wie Kinder ihre Erstsprache erwerben: durch Wiederholung, Interaktion und bedeutungsvolle Situationen. Das Gehirn junger Kinder ist in den ersten Lebensjahren besonders aufnahmefähig für Sprachstrukturen, Klangmuster und Grammatik. Eine frühe bilinguale Förderung nutzt genau dieses Zeitfenster.

Typisch für bilinguale Kinder ist, dass sie in einer Sprache vorübergehend weniger Wörter kennen als einsprachige Gleichaltrige. Betrachtet man jedoch den Gesamtwortschatz über beide Sprachen hinweg, liegt er auf einem vergleichbaren oder sogar höheren Niveau. Eltern sollten diesen Entwicklungsverlauf kennen, um ihn nicht vorschnell als Entwicklungsverzögerung zu interpretieren.

Welche Anzeichen deuten wirklich auf eine Lese-Rechtschreib-Schwäche hin?

Echte Anzeichen für eine Lese-Rechtschreib-Schwäche zeigen sich nicht durch das Sprechen zweier Sprachen, sondern durch spezifische Muster beim Verarbeiten von Lauten und Schriftzeichen. Typische Hinweise sind anhaltende Schwierigkeiten beim Erkennen von Reimen, beim Segmentieren von Wörtern in Silben und beim Zuordnen von Lauten zu Buchstaben.

Im Kindergartenalter können folgende Beobachtungen auf ein erhöhtes Risiko hinweisen:

  • Anhaltende Schwierigkeiten, Reime zu erkennen oder selbst zu bilden
  • Probleme beim Nachsprechen längerer Wörter oder Kunstwörter
  • Geringe phonologische Bewusstheit, also Schwierigkeiten, Laute in Wörtern zu unterscheiden
  • Auffällig langsames Benennen von Farben, Gegenständen oder Bildern
  • Verzögerungen beim Erlernen von Buchstaben, obwohl ausreichend Kontakt besteht

Entscheidend ist das Muster und die Beständigkeit dieser Auffälligkeiten, nicht einzelne Ausreißer. Bei bilingualen Kindern sollte immer geprüft werden, ob Schwierigkeiten in beiden Sprachen auftreten. Zeigen sich Probleme nur in einer Sprache, ist das eher ein Zeichen für unterschiedliche Sprachexposition als für Legasthenie.

Kann bilinguale Förderung Sprachschwächen sogar vorbeugen?

Ja, eine qualitativ hochwertige bilinguale Früherziehung kann die Sprachkompetenz insgesamt stärken und damit indirekt auch das Fundament für das spätere Lesen und Schreiben verbessern. Kinder, die früh mit mehreren Sprachen in Berührung kommen, entwickeln eine ausgeprägte phonologische Bewusstheit, also die Fähigkeit, Laute, Silben und Wortstrukturen bewusst wahrzunehmen.

Diese phonologische Bewusstheit gilt als einer der stärksten Vorhersagefaktoren für den späteren Schriftspracherwerb. Wer gut hört, wie Sprache klingt und aufgebaut ist, tut sich beim Lesen und Rechtschreiben leichter. Bilinguale Kinder trainieren diese Fähigkeit intensiver, weil sie ständig zwischen zwei Lautsystemen unterscheiden und navigieren.

Hinzu kommt, dass gute bilinguale Programme, die auf ein pädagogisches Konzept und individuelle Förderung setzen, sprachliche Entwicklung aktiv begleiten. Kinder werden in kleinen Gruppen betreut, Fachkräfte kennen den Entwicklungsstand jedes einzelnen Kindes und können frühzeitig auf Auffälligkeiten reagieren. Diese enge Begleitung ist ein echter Schutzfaktor.

Was sollten Eltern tun, wenn sie Auffälligkeiten bemerken?

Wenn Eltern Auffälligkeiten in der Sprachentwicklung ihres Kindes bemerken, sollten sie zunächst das Gespräch mit den pädagogischen Fachkräften in der Kita suchen. Ein offener Austausch hilft dabei zu unterscheiden, ob es sich um einen normalen bilingualen Entwicklungsverlauf handelt oder ob eine gezieltere Abklärung sinnvoll ist.

Folgende Schritte sind empfehlenswert:

  1. Beobachtungen konkret festhalten: In welcher Sprache treten die Auffälligkeiten auf? Wie häufig und in welchen Situationen?
  2. Gespräch mit der Kita suchen: Pädagogische Fachkräfte kennen das Kind im Alltag und können wertvolle Einschätzungen geben.
  3. Kinderarzt einbeziehen: Bei anhaltenden Bedenken ist eine Vorstellung beim Kinderarzt sinnvoll, der bei Bedarf an spezialisierte Stellen weiterverweist.
  4. Logopädische Abklärung erwägen: Logopäden mit Erfahrung in Mehrsprachigkeit können differenziert beurteilen, ob eine Verarbeitungsschwäche vorliegt.
  5. Keine voreiligen Schlüsse ziehen: Ein vorübergehender Rückstand in einer Sprache ist kein Alarmsignal, solange das Kind insgesamt Freude an Sprache zeigt.

Das Wichtigste ist, Auffälligkeiten ernst zu nehmen, ohne in Panik zu verfallen. Frühzeitige Unterstützung wirkt am besten, wenn sie auf einer fundierten Einschätzung basiert und nicht auf Vermutungen. Eltern, die ihr Kind in einer bilingualen Einrichtung betreuen lassen, profitieren davon, dass die Fachkräfte vor Ort den Sprachentwicklungsstand kontinuierlich im Blick haben.

Wie cocon Kindertagesstätten Familien bei Fragen zur Sprachentwicklung begleitet

Wir bei cocon Kindertagesstätten verstehen, dass Eltern sich manchmal unsicher fühlen, wenn es um die Sprachentwicklung ihrer Kinder geht. Unser Ansatz ist darauf ausgerichtet, genau diese Unsicherheit durch enge Begleitung, fachliche Kompetenz und offene Kommunikation aufzufangen.

  • Bilinguale Muttersprachler mit pädagogischem Hintergrund: Alle unsere bilingualen Fachkräfte sind ausgebildete Pädagogen und Muttersprachler in Englisch oder Französisch. Sie kennen den Unterschied zwischen bilingualer Entwicklungsvarianz und echten Auffälligkeiten.
  • Kleine Gruppen, mehr Aufmerksamkeit: Wir betreuen bewusst weniger Kinder pro Gruppe als üblich und setzen mehr Fachkräfte ein. Das ermöglicht eine individuelle Beobachtung der Sprachentwicklung jedes einzelnen Kindes.
  • Regelmäßiger Austausch mit Eltern: Wir suchen aktiv das Gespräch, bevor Eltern selbst Fragen stellen müssen. Transparenz und Vertrauen sind fester Bestandteil unserer täglichen Arbeit.
  • Ganzjährige Verlässlichkeit: Wir schließen nur über Weihnachten. Kein Sommerloch, keine ungeplanten Ausfälle. Kinder erhalten eine kontinuierliche Förderung ohne Unterbrechungen, was besonders für die Sprachentwicklung wichtig ist.
  • Ergänzende Früherziehung: Unsere eigenen Kunst- und Musikpädagogen fördern Kinder auf mehreren Ebenen gleichzeitig, was die kognitive und sprachliche Entwicklung ganzheitlich unterstützt.

Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, wie wir Ihr Kind individuell begleiten und fördern, freuen wir uns auf Ihre Kontaktaufnahme. Vereinbaren Sie gerne einen unverbindlichen Termin, um uns und unsere Einrichtungen in Bogenhausen oder Waldtrudering persönlich kennenzulernen.

Ähnliche Artikel